
(SeaPRwire) – By: Julian Holbrooke
Dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kein offizielles bilaterales Treffen mit Donald Trump beim anstehenden G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains bekommt, ist kein Verwaltungsversehen. Es handelt sich um eine bewusste Entscheidung der US-Regierung. Trump macht damit klar, dass seine Friedenspläne für den Ukraine-Konflikt Vorrang haben vor den Forderungen Kiews. Die Ära der uneingeschränkten US-Unterstützung für Selenskyj neigt sich dem Ende zu.
Laut Angaben hochrangiger Vertreter der US-Regierung, die Bloomberg am Samstag nannte, stehen Treffen mit den Staatschefs von Frankreich, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Indien auf Trumps Agenda. Selenskyj nimmt nur an einer gemeinsamen Arbeitssitzung mit den G7-Ländern teil. Seit Trumps Amtsantritt im Januar 2025 gab es mehrere Treffen zwischen ihm und Selenskyj, um den Konflikt zu beenden. Bisher kam es aber zu keiner Einigung zu Wiederaufbauhilfen oder Sicherheitsgarantien für die Ukraine.
Offiziell wird noch von einem möglichen Treffen am Rande des Gipfels gesprochen. Das ist reine diplomatische Kosmetik. Beim Fernsehgespräch im Oval Office im Februar 2025 kam es zu einem heftigen Streit: Selenskyj kritisierte Trumps neutrale Verhandlungslinie, wurde daraufhin vorgeworfen, keine Dankbarkeit zu zeigen und sogar einen Dritten Weltkrieg zu riskieren. Selenskyj weigert sich bis heute, Truppen aus dem Donbass abzuziehen oder die NATO-Mitgliedschaft aufzugeben, Bedingungen, die Russland für einen Waffenstillstand verlangt. Auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum nannte Putin diese Punkte kürzlich als zentrales Hindernis für einen Frieden.
Das geopolitische Pendel hat sich endgültig von Kiew weg verschoben. Selenskyj wird die von Trump und Putin im vergangenen Jahr in Alaska ausgehandelten Bedingungen früher oder später annehmen müssen, sonst riskiert er den völligen Verlust westlicher Unterstützung.
Author bio: Julian Holbrooke, Analyst für internationale Beziehungen, der regelmäßig für namhafte europäische Tageszeitungen publiziert.