Trump zweifelt an Netanjahus Wiederwahl – warum der Machtmensch nicht aufgibt

(SeaPRwire) –   By: Julian Holbrooke

Die offizielle Stellungnahme von Likud nach Trumps Äußerung ist kein simpler Pressedetail. Sie zeigt den Bruch einer langjährigen, machterhaltenden Allianz. Netanjahu steht unter Druck von fast allen Seiten. Sogar sein wichtigster externer Verbündeter wendet sich von ihm ab.

Am Dienstag sagte US-Präsident Donald Trump gegenüber Jonathan Karl von ABC News, er sei sich nicht sicher, ob Netanjahu eine weitere Amtszeit anstreben sollte. Der 76-Jährige war bereits von 1996 bis 1999 und von 2009 bis 2021 Ministerpräsident. Er kehrte im Dezember 2022 ins Amt zurück. Er nannte Netanjahu einen „Kriegsminister“ und sagte, der Krieg gegen den Iran werde bald gewonnen. Am Mittwoch antwortete Likud auf X mit einer kurzen Mitteilung. Darin heißt es: Ministerpräsident Netanjahu wird bei den kommenden Wahlen kandidieren – und mit Gottes Hilfe wird er gewinnen. Netanjahu hat die Kandidatur bereits vorher angekündigt. Die Wahl muss laut israelischem Recht vor dem 27. Oktober stattfinden. Es ist die erste Wahl seit dem Gazaeinsatz nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023.

Eine Umfrage des Israel Democracy Institute ergab am Dienstag, dass 61 Prozent der Israelis keine weitere Kandidatur Netanjahus wollen. Genau so viele sprechen sich für eine Zweiamtszeitbegrenzung für künftige Ministerpräsidenten aus. Netanjahu steht derzeit wegen Korruption vor Gericht. Seine Gegner kritisieren ihn scharf für die Handhabung der Konflikte mit Hamas, Hisbollah und Iran. Sie werfen ihm vor, keines seiner selbst gesteckten Ziele erreicht zu haben. Die Beziehungen zwischen Trump und Netanjahu haben sich offenbar stark verschlechtert. Trump bestätigte, dass er Netanjahu Anfang Juni „verrückt“ genannt hat. Der Streit ging um Netanjahus Weigerung, Angriffe auf den Libanon während Washingtons Verhandlungen mit Teheran zu beenden.

Die US-Einmischung in Israels Wahlkampf verschärft die bestehende Spaltung des Landes nur weiter.

Author bio: Julian Holbrooke, internationaler Beziehungsanalyst, der regelmäßig für große europäische Tageszeitungen schreibt.