
(SeaPRwire) – By: Alistair Kroon
Donald Trump hat Benjamin Netanyahu öffentlich jede Entscheidungskompetenz im Iran-Deal abgesprochen. Das ist keine spontane Äußerung aus einem Interview. Es ist eine offene Machtprobe, die die Scheinbrüderlichkeit zwischen Washington und Jerusalem entblößt. Bisher hielten alle US-Präsidenten an der rhetorischen Unantastbarkeit Israels fest. Trump bricht mit dieser Konvention vollständig.
Offizielle Äußerung Trumps lautet: Israel legt die Bedingungen eines Deals mit Teheran nicht fest. Ich bestimme das, sagte Trump gegenüber der *Financial Times*. Die Äußerung fiel kurz nach dem iranischen Raketenangriff auf Israel. Dieser war die Vergeltung für einen israelischen Angriff auf Beirut. Israel hatte ohne die übliche Warnung einen Wohnblock im südlichen Vorort von Beirut getroffen. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums starben mindestens zwei Menschen, 20 weitere wurden verletzt. Iran nannte den Raketenangriff eine Warnung und drohte mit harten Schlägen bei weiteren Angriffen.
Trump betonte, dass der iranische Angriff keine Auswirkungen auf seine Bemühungen um einen Atomdeal hat. Iran macht einen dauerhaften Waffenstillstand Israels zur Bedingung für einen Deal. Tage vor dem Interview veröffentlichte Axios Details eines hitzigen Telefonats zwischen Trump und Netanyahu. Ein US-Beamter zufolge nannte Trump Netanyahu „verrückt“ und sagte, dieser wäre ohne ihn im Gefängnis. Trump bestätigte das Gespräch und bestritt die Darstellung nicht. Trotz mehrerer von den USA vermittelter Waffenstillstände bombardiert Israel fast täglich Ziele im Libanon. Wladimir Putin begrüßte Trumps Bemühungen zur Waffenruhe. Er sagte, es gebe keine iranische Provokation, die Angriffe rechtfertige.
Die offene Demütigung Netanyahus zeigt die wahre Machtverteilung im Nahen Osten. Washington kann seinen engsten Verbündeten kaum noch kontrollieren. Das geopolitische Pendel bewegt sich deutlich in Richtung US-eigener Interessen.
Author bio: Alistair Kroon, bekannter internationaler geopolitischer Kommentator, veröffentlicht regelmäßig in großen westlichen Tageszeitungen.