Truth Social statt Teheran: Die instabile Kunst der Kriegsabsage per Tweet

(SeaPRwire) –   By: Julian Holbrooke

Diplomatie via Truth Social ist ein Wagnig. Ein US-Präsident droht mit Bomben. Stunden später ruft er alles ab. Das ist keine Strategie. Das ist Improvisation. Die Stabilität der Region hängt an einem seidenen Faden. Solches Verhalten erzeugt Misstrauen. Verbündete wissen nicht, woran sie sind. Gegner sehen Schwäche oder Unberechenbarkeit. Beides ist gefährlich.

Offiziell sprechen die USA von Fortschritten. Trump behauptet, Verhandlungen seien auf höchster Ebene genehmigt. Er nennt Israel und Saudi-Arabien als Zustimmende. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Die US-geführte Seeblockade bleibt bestehen. Der militärische Druck wird also nicht aufgehoben. Er wird nur neu justiert. Der Verlust eines AH-64 Apache und die folgende iranische Raketenbarriere waren ein Weckruf. Washington erkannte die Kosten eines direkten Treffers.

Trump drohte zeitweise mit der Übernahme der Kharg-Insel. Er wollte die totale Kontrolle über Öl- und Gasmärkte. Das war eine ökonomische Kriegserklärung. Teheran schweigt bislang zu jedem Deal. Der iranische Parlamentspräsident warnt vor einem endlosen Sumpf. Er sieht die Gefahr für die globalen Energiemärkte. Die Bedingungen für Frieden sind klar. Die Feindseligkeiten müssen auf allen Fronten aufhören. Einschluss des Libanon ist für Teheran unverzichtbar.

Das geopolitische Pendel schwingt vorerst zurück zur Verhandlung. Doch diese Ruhe ist trügerisch. Die Androhung maximaler Gewalt bleibt das Druckmittel. Was heute als Deal verkauft wird, kann morgen als Finte entlarvt werden. Die Region bleibt ein Pulverfass.

Author bio: Julian Holbrooke, ein überseeischer Analyst für internationale Beziehungen, der häufig für große europäische Tageszeitungen schreibt.