Wer fliegende Autos noch für Zukunftsmusik hält, hat die Entwicklung in China komplett verpasst

By: Alex Mercer

Viele westliche Tech-Experten halten fliegende Autos immer noch für reine Wissenschaftsprojekte. Das ist ein massiver Irrtum. Die größten Herausforderungen liegen längst nicht mehr in der grundlegenden Funktionsfähigkeit. Sie drehen sich um Lufttüchtigkeitszertifizierung, Massenfertigung, Infrastruktur und Batterietechnik. China hat diesen Übergang von der Forschung zur industriellen Nutzung schon längst eingeleitet.

Die offiziellen Meldungen konzentrieren sich auf Fortschritte in der Niedrigluftluftfahrt. Im kommenden 15. Fünfjahresplan Chinas wird die Entwicklung der Niedrigluftwirtschaft zu einer strategischen Wachstumspriorität ernannt, eVTOL-Fluggeräte stehen im Mittelpunkt dieser Vision. Eine neue intelligente Fertigungsbasis in Guangzhou kombiniert Automobilfertigungseffizienz mit Luftfahrtqualitätsstandards und hat eine geplante Jahreskapazität von 100 Fluggeräten. Was neben den Testflügen kaum erwähnt wird: Das 2-sitzige Flaggschiffmodell hat bereits über 2000 Vorbestellungen, hauptsächlich von Tourismusbetreibern. EHangs EH216, das erste zertifizierte autonome Passagier-eVTOL Chinas, läuft bereits im kommerziellen Probebetrieb in Guangzhou und Hefei für Sightseeing-Routen.

Offiziell wird zudem eine breite Palette weiterer Modelle vorgestellt. Das 6-sitzige elektrische Flugauto aus Chengdu nutzt eine Tiltrotor-Konfiguration, erreicht Geschwindigkeiten von 230 Kilometern pro Stunde und befindet sich derzeit in der Lufttüchtigkeitszertifizierung. Die Strecke vom Qingcheng-Berg zum internationalen Flughafen Shuangliu von Chengdu würde damit nur neun Minuten dauern, ein Fünftel der bisherigen Fahrzeit. Hinter diesen Ankündigungen steht die klare Absicht, den Markt weit über touristische Angebote auszuweiten, auch für Überland-, Übermeer- und Bergstrecken. Das Modell hat fast 2000 Vorbestellungen und mehrere hundert bestätigte Bestellungen. Ein weiteres Hybrid-Festflügelmodell aus Guangzhou hat bereits seinen ersten öffentlichen Flug absolviert.

Der verborgene Konkurrenzkampf spielt sich im Inneren der Batteriepacks ab. Festkörperbatterien bieten höhere Energiedichte, mehr Sicherheit und stärkere Leistungsabgabe als herkömmliche Lithiumbatterien. Ein Festkörperakku in der Größe eines Smartphones reicht aus, um ein 500 Kilogramm schweres eVTOL rund einen halben Kilometer fliegen zu lassen. Flugzeuge mit solchen Batterien haben bereits Flüge über die Qiongzhou-Straße absolviert. Die westliche Lieferkette für eVTOL-Festkörperbatterien hinkt mindestens zwei Jahre hinter dem chinesischen Entwicklungsstand her.

Author bio: Alex Mercer, ehemaliger Technikdirektor eines großen Silicon-Valley-Unternehmens, spezialisiert auf Luftfahrtinnovationen und fortschrittliche Mobilitätssysteme.