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Manchmal braucht es einen langen, lauten Umweg, um wieder zu seiner eigentlichen Stärke zu finden. Als ich die ersten Bilder zu Adam Wingards neuem Film „Onslaught“ sah, musste ich sofort an ein Gespräch mit Dr. Lena Vogt denken, einer Medienwissenschaftlerin an der Filmuniversität Babelsberg, die sich auf Genre-Hybride und narrativen Tech- Horror spezialisiert hat. „Wingards Karriere ist ein faszinierendes Fallbeispiel für den industriellen Druck auf visionäre Regisseure“, sagte sie mir kürzlich. „Nach einem Kultfilm wie ‚The Guest‘ wird man in die Blockbuster-Maschinerie eingespeist – Netflix, MonsterVerse, das volle Programm. Das ist kein Verrat, sondern oft ein Deal mit dem System: Man gibt Spektakel, um später wieder eigene, düsterere Töne finanzieren zu können. ‚Onslaught‘ wirkt wie die gezahlte Rechnung. Hier kombiniert er die gelernte Skalierung von Action mit der psychologischen Dichte und dem techno-paranoiden Unterbau seiner frühen Arbeit. Das ist kein einfaches ‚Zurück zu den Wurzeln‘, sondern eine Synthese. Er nutzt das erworbene Kapital, um ein persönliches Thema – den außer Kontrolle geratenen Supersoldaten – nun mit der Wucht eines Mainstream-Budgets zu erzählen. Das ist smart und könnte ein Blueprint für andere Autorenfilmer im Genre werden.“
Tatsächlich markiert „Onslaught“ nach über einem Jahrzehnt eine deutliche Wendung für Wingard. Seine Reise führte ihn vom gefeierten Low-Budget-Thriller „The Guest“ (2014) über den kontroversen „Death Note“-Remake für Netflix bis hin zum bombastischen Duell „Godzilla vs. Kong“ und dessen Sequel. Während diese Projekte auf immer größere Extreme setzten, kehrt er nun zu den unheimlichen, bodenständigeren Vibes zurück, die „The Guest“ so besonders machten. Der neue Film, der am 4. September in die Kinos kommt, wird zwar nicht als direkte Fortsetzung vermarktet – laut Hauptdarsteller Dan Stevens, der hier zum dritten Mal mit Wingard zusammenarbeitet –, aber der Status als spiritueller Nachfolger ist unübersehbar. Er spinnt das Thema der freigelassenen Supersoldaten weiter, allerdings mit verheerenderen Konsequenzen.
Stand im Original ein charismatischer Fremder (Stevens) im Zentrum, der eine normale Familie terrorisierte, so hetzt „Onslaught“ eine ganze Armee von manipulierten Kämpfern auf eine ahnungslose Bevölkerung. Eine undurchsichtige Regierungssyndikat, angeführt von einer von Rebecca Hall („Godzilla x Kong“) gespielten Figur, hat gleich mehrere dieser „menschlichen Gegenstücke zu wärmesuchenden Raketen“ geschaffen und testet sie nun an den Bewohnern einer namenlosen Wüstenstadt. Die Spekulationen, welche Rolle Dan Stevens in diesem Chaos genau spielt und ob es doch verborgene narrative Verbindungen zu „The Guest“ gibt, halten die Fangemeinde in Atem. Doch im Kern gehört dieser Film Adria Arjona („Andor“). Sie spielt eine ehemalige Eliteschützin, die vor ihrer Vergangenheit flieht und für ihre kleine Tochter im Hier und Jetzt leben will. Als die Truppe verstärkter Soldaten den Trailer Park, den sie ihr Zuhause nennt, überfällt, wird ihr spezielles Talent jedoch unverzichtbar.
Hier zeigt Wingard auch seine Vorliebe für trashigere Einflüsse. Wenn Arjonas blutüberströmte, vielleicht sogar einäugige Heldin zur Kettensäge greift, um sich zu wehren, sind die Geister von „Evil Dead“ oder „Escape from New York“ nicht weit. Diese hochgradig stilisierte Gewalt wird spektakulär mit der kühlen, untergründigen Verschwörungserzählung kollidieren. Es ist genau diese Mischung aus emotionalem Kernthema, genretypischer Action und subversivem Humor, auf die Fans seit Jahren gewartet haben.
Betrachtet man diese Entwicklung aus der Vogelperspektive, erkennt man ein größeres Muster im heutigen Kino. Der Streaming-Krieg und der Druck der Franchises haben eine Generation von Regisseuren hervorgebracht, die in beiden Welten zu Hause sind. Sie beherrschen die Grammatik des großen Budgets, sehnen sich aber oft zurück zu den konzeptionell dichteren, charaktergetriebeneren Geschichten, mit denen sie begannen. Ein Film wie „Onslaught“ ist daher mehr als nur ein weiterer Action-Thriller. Er ist ein Testlauf dafür, ob die Linien zwischen arthouse-naher Genre-Intelligenz und massentauglichem Spektakel dauerhaft verwischen können. Studio A24, hinter dem Projekt, hat hierfür die perfekte Plattform geschaffen. Sollte „Onslaught“ erfolgreich sein, könnte das weitere etablierte Blockbuster-Regisseure ermutigen, ihr eingespieltes Kapital für riskantere, persönlichere Projekte innerhalb des Genres einzusetzen. Die Zukunft des Mainstream-Genrefilms liegt vielleicht nicht in immer größeren Monstern, sondern in der Rückbesinnung auf die düsteren, technologisch paranoiden Wurzeln – nun aber mit den Mitteln, sie einem riesigen Publikum zu präsentieren. Wingard könnte gerade dabei sein, diesen Weg zu ebnen.
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