Die Ruhe am Hormuz: Warum die vermeintliche Friedenspause nur eine tickende Bombe ist

(SeaPRwire) –   By: Julian Holbrooke

Die neue Vereinbarung zwischen USA und Iran ist kein Frieden. Sie ist nur eine Pause vor der nächsten Krise. Der Ölpreis fiel um 4 Prozent nach der Ankündigung am Sonntagabend. Auf den ersten Blick sieht das wie ein Triumph der Diplomatie aus. Aber hinter der Marktreaktion verbirgt sich ein Minenfeld. Offizielle Verlautbarungen blenden die größten Risiken komplett aus.

Offiziell heißt es: Die jüngste Konfrontation ist beendet. Die Straße von Hormuz, die Iran monatelang blockiert hat, wird am Freitag wieder eröffnet. Donald Trump erklärte auf Truth Social: „Schiffe der Welt, startet eure Motoren. Lasst das Öl fließen!“ Das ist die offizielle Darstellung. Die Realität sieht anders aus. Das Kernproblem des iranischen Atomprogramms wurde nur um 60 Tage vertagt. Teheran hat bereits mehr als 400 Kilogramm Uran nahe Waffenqualität angesammelt. Trump hat das Atomabkommen von 2015 unter Barack Obama aufgegeben. Nun kehrt er unter viel schlechteren Bedingungen an den Verhandlungstisch zurück. Republikanische Falken verlangen eine Befassung des Kongresses. Trump läuft Gefahr, als schwach zu gelten oder das Abkommen vor den Zwischenwahlen im November platzen zu sehen.

Die zweite ungelöste Gefahr geht von Israel aus. Premierminister Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz halten die israelische Armee dauerhaft in Sicherheitszonen im Libanon, Syrien und Gaza. Katz hat angekündigt, dass Israel einen Angriff Irans mit voller Wucht beantworten wird. Iran aber macht einen vollständigen Waffenstillstand im Libanon zu einer seiner Kernforderungen. Dadurch bleibt der Libanon ein Pulverfass. Es kann jederzeit explodieren, unabhängig von dem Abkommen zwischen Washington und Teheran. Auch die Märkte haben überstürzt gehandelt. Fehlende Details vor allem zur Navigationsfreiheit machen die Lage unsicher. Ein plötzlicher Ölpreisrückgang ist genauso destabilisierend wie ein sprunghafter Anstieg.

Das Abkommen hält nur an den kurzfristigen Interessen der beiden Seiten zusammen. Trump braucht niedrigere Benzinpreise vor den Zwischenwahlen. Iran braucht Sanktionenlockerungen und die Freigabe von 25 Milliarden Dollar eingefrorener Vermögenswerte. Westeuropäische Staaten versprechen ebenfalls Sanktionenentlastung für überprüfbare Schritte beim Atomprogramm. Im Nahen Osten schlägt das geopolitische Pendel schneller zurück als viele Marktteilnehmer glauben.

Author bio: Julian Holbrooke, internationaler Beziehungsanalyst, der regelmäßig für große europäische Tageszeitungen schreibt.