Trumps Iran-Deal-Flop: Was er 2018 zerriss, kriegt er jetzt deutlich schlechter zurück

(SeaPRwire) –   By: Julian Holbrooke

Acht Jahre nach dem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran sitzt Washington wieder am Verhandlungstisch. Diesmal hat die US-Regierung deutlich weniger Trumpfkarten in der Hand. Vizepräsident JD Vance verkauft den neuen Entwurf als großen diplomatischen Erfolg. In Wahrheit handelt es sich um eine der größten politischen Blamagen der vergangenen Jahre für die USA.

Die offiziellen Vereinbarungen sehen vor, dass der Deal am 19. Juni unterzeichnet wird. Die USA geben vor Beginn einer 60-tägigen Verhandlungsphase iranische Vermögenswerte im Wert von rund 12 Milliarden Dollar frei. Innerhalb von 30 Tagen wird die Seeblockade aufgehoben. Keine neuen Sanktionen werden verhängt, keine zusätzlichen Truppen in die Region geschickt. US-Einheiten ziehen sich aus Gebieten an der Grenze zu Iran zurück. Die Öffnung der Straße von Hormuz ist Teil des Pakets. Nach Bekanntwerden der Pläne fiel der Preis für Brent-Rohöl sofort auf 84 Dollar pro Fass, den niedrigsten Stand seit dem 10. März. Offiziell verpflichtet sich Iran, seine Nuklearambitionen einzudämmen und keine Angriffe auf die regionale Stabilität zu starten.

Die US-Regierung gibt sich als Sieger, aber die Bilanz der Zugeständnisse spricht eine andere Sprache. Iran bekommt sofortige Sanktionenerleichterungen, freigegebene Vermögenswerte und weniger US-Militär an seinen Grenzen. Das Nuklearprogramm wird nur formal eingeschränkt, Kontrollen und weitere Regeln fehlen bislang. Washington löst damit eine Krise, die es 2018 selbst durch den Ausstieg aus dem besseren ursprünglichen Deal ausgelöst hat. Israel reagiert wütend, weil es eine Schwächung seiner Sicherheitsstellung fürchtet. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte bereits offen, dass er die Klausel zum Libanon nicht akzeptiere und keine Truppen aus dem Land abziehe.

Die Machtverhältnisse im Nahen Osten haben sich nachhaltig zu Ungunsten der USA verschoben.

Author bio: Julian Holbrooke, internationaler Politikanalyst und regelmäßiger Kommentator für führende europäische Tageszeitungen.